Berlins erstes Siedlungsgebiet

Fellbacher Platz hinter dem Bahnhof Hermsdorf
© Museum Reinickendorf, Archiv: Bahnhof Hermsdorf – im Hintergrund der Kaiserplatz, heute Fellbacher Platz, aufgenommen vom Aussichtsturm im Restaurant „Waldschlößchen“, Aufnahme: um 1900
Fellbacher Platz hinter dem Bahnhof Hermsdorf

Fundstücke deuten auf ein germanisches Gehöft mit Wohnstallhaus, Web- und Spinnhaus sowie einen Speicher hin. Die wirkliche Besiedlung beginnt aber erst im 11. Jahrhundert durch slawische Einwanderer. Weitere gut 200 Jahre später gründet der Siedelmeister Hermann das nach ihm benannte Hermannstorp, damals noch auf einer Halbinsel. 1349 wird aus dem Dorf ein Gut, doch es bleibt ein bäuerliches Dorf mit zunehmend trockenem Land. Der Mühlenbau lässt das Tegeler Fließ versanden. Was bleibt, ist der Hermsdorfer See – und ein Moor, wo im 19. Jahrhundert Torf gestochen, Ton abgebaut und Ziegel gebrannt werden. Bewegung kommt, als 1877 die Nordbahn gebaut und 1889 eine Solequelle entdeckt wird.

© Museum Reinickendorf, Archiv: Titelbild der Publikation „Chronik des Bezirkes Reinickendorf von Berlin/ Als in Hermsdorf noch die Semnonen wohnten“ von Hans Joachim Arnold
Reste eines Germanischen Gehöfts
© Museum Reinickendorf, Archiv: Titelbild der Publikation „Chronik des Bezirkes Reinickendorf von Berlin/ Als in Hermsdorf noch die Semnonen wohnten“ von Hans Joachim Arnold
© Museum Reinickendorf, Archiv: Hermsdorf- Freiwillige Feuerwehr- Hermsdorf i.d. Mark, beim dreijährigen Bestehen am 24.09.1899, Mitte im Bild in Zivil Gemeindevorsteher Brandt, Aufnahme: 1899
Freiwillige Feuerwehr von Hermsdorf in der Mark um 1899
© Museum Reinickendorf, Archiv: Hermsdorf- Freiwillige Feuerwehr- Hermsdorf i.d. Mark, beim dreijährigen Bestehen am 24.09.1899, Mitte im Bild in Zivil Gemeindevorsteher Brandt, Aufnahme: 1899

Seit 500 v. Chr. hoch geschätzt

Hermsdorf hätte nach dem Willen des Gutsbesitzers Leopold Lessing ein Kurort werden sollen. Die Solequelle versiegt allerdings vorzeitig. Die ersten Landhäuser und Villen sind aber bereits entstanden – der erste Schritt zum Villenvorort ist also getan. Immer mehr wohlhabende Berliner und die Prominenz entdecken die Lage für sich. Unter ihnen ist zum Beispiel Max Beckmann, der vor dem ersten Weltkrieg in Hermsdorf lebt. Spätestens mit der Eingemeindung 1920 in Großberlin wird Hermsdorf auch zu einem Ausflugsziel. Die Städter suchen hier ihre „Sommerfrische“ und festigen den Ruf Hermsdorfs. Immer wieder tauchen deshalb bekannte Namen in der Chronik auf. So wohnt in den Sechzigerjahren auch Erich Kästner für drei Jahre am Waldsee.